Pelikan
Steckbrief Pelikan
| Größe | 125-183 cm |
| Geschwindigkeit | Bis 65 km/h |
| Gewicht | 3,6-12 kg |
| Lebensdauer | 15-25 Jahre |
| Nahrung | Fische, Krabben, Schildkröten |
| Feinde | Wildhunde, Rabenvögel (nur Eier und Küken) |
| Verbreitung | Tropische, subtropische, gemäßigte Meere |
| Lebensraum | See, Fluss, Brackwasser |
| Ordnung | Ruderfüßer |
| Familie | Pelikane |
| Wissenschaftl. Name | Pelecanus |
| Merkmale | Vogel mit großem Schnabel und dehnbaren Kehlsack |
Merkmale und Besonderheiten
Pelikane gehören zu den schwersten flugfähigen Vögeln der Welt. Trotz ihres Gewichts können sie überraschend weit und hoch fliegen. Die auffälligsten Merkmale dieser großen Wasservögel sind der außergewöhnlich lange Schnabel und der extrem dehnbare Kehlsack an der Unterseite. In diesen elastischen Hautsack passen bis zu 11 Liter Wasser – das ist doppelt so viel Volumen, wie ihr eigener Magen aufnehmen kann.
Arten
Die Familie der Pelikane umfasst weltweit 8 Arten: Braunpelikan, Chile-Pelikan, Graupelikan, Rötelpelikan, Nashornpelikan, Rosapelikan, Krauskopfpelikan und Brillenpelikan.
Verbreitung und Lebensraum
Pelikane kommen fast überall auf der Welt vor – außer in der Antarktis. Sie bevorzugen warmes Klima und wählen als Lebensraum vor allem die Nähe von Meeresküsten, großen Seen, Flussmündungen und Feuchtgebieten.
Lebensweise
Pelikane sind tagaktiv. Sie verbringen viel Zeit mit der Nahrungssuche. Sie sind sehr gesellig. Sie leben in Schwärmen und bilden Kolonien mit hunderten von Artgenossen. Häufig teilen sie sich ihren Lebensraum mit anderen Wasservögeln wie Flamingos und Kormoranen.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Der größte Pelikan ist der Krauskopfpelikan. Er hat eine Spannweite von 3,45 m und ein Gewicht von 12 kg. Nur der Andenkondor und der Wanderalbatros können seine Spannweite noch übertreffen. Besonders groß und schwer sind außerdem der Rosapelikan, der Nashornpelikan und der Brillenpelikan. Der kleinste ist der Braunpelikan.
| Pelikan | Spannweite | Gewicht |
|---|---|---|
| Braunpelikan | bis 2,5 m | bis 4,5 kg |
| Chile-Pelikan | bis 2,48 m | bis 7 kg |
| Graupelikan | bis 2,5 m | bis 5 kg |
| Rötelpelikan | bis 2,4 m | bis 7 kg |
| Nashornpelikan | bis 3 m | bis 9 kg |
| Rosapelikan | bis 2,8 m | 10-11 kg |
| Krauskopfpelikan | bis 3,45 m | 10-12 kg |
| Brillenpelikan | bis 2,6 m | bis 8,2 kg |
Der Rekord-Schnabel
Den offiziellen Längenrekord im gesamten Vogelreich hält der Brillenpelikan: Sein Schnabel erreicht eine Länge von stolzen 49 cm.
Der riesige Kehlsack
• Da passt mehr hinein als in den Magen!
Im Schnabel eines Pelikans finden bis zu 11 l Wasser Platz. Genauer gesagt im Hautsack, der sich an der Kehle befindet und mit dem unteren Schnabel verbunden ist. Interessanterweise ist der Magen eines Pelikans gerade mal halb so groß.
• Wozu braucht der Pelikan einen Kehlsack?
Der dehnbare Hautsack am Unterschnabel funktioniert bei der Jagd wie ein großer Kescher oder eine Schöpfkelle. Der Vogel öffnet beim Eintauchen das Maul und „flutet“ den Sack mit Wasser. Beim Schließen läuft das Wasser seitlich wieder heraus. Die leckeren Fische bleiben übrig und landen im hungrigen Magen.
Ernährung
Pelikane sind Fleischfresser. Genauer gesagt Fischfresser. Ihr Appetit ist riesig: Sie müssen jeden Tag 10 % ihres Körpergewichts in Form von Fischen essen. Das sind etwa 1,2 kg. Steht nicht genug Fisch zur Verfügung, weichen sie auf Amphibien, Krebstiere und große Insekten aus. Sie sind ein bisschen wie Staubsauger: Wenn sie hungrig sind, saugen sie alles Essbare auf.
Verhalten
Jagdverhalten
• Gemeinsame Jagd in der Gruppe
Die meisten Pelikane sind Teamplayer. Um möglichst viele Fische auf einmal zu fangen, bilden mehrere Pelikane ein „U“ und schlagen mit den Flügeln auf die Wasseroberfläche, um einen Fischschwarm ins seichte Wasser zu treiben. Man könnte das auch als „Hufeisen-Taktik“ beschreiben.
• Nur der Braunpelikan ist ein Stoßtaucher
Der Braunpelikan ist der einzige, der nicht in der Gruppe jagt und keine Fische aus dem Wasser „löffelt“. Er jagt als Einzelgänger und nutzt spektakuläre Sturzflüge. Aus einer Höhe von 20 bis 30 Metern stürzt er sich direkt aus der Luft ins Meer, um Fische zu erbeuten.
Ich konnte schon mal Braunpelikane bei der Jagd beobachten. Sie schossen mit einem Affenzahn Richtung Wasseroberfläche, tauchten ein und schnalzten dann wie ein Korken wieder hoch – mit einem Fisch im Schnabel! Ich hätte stundenlang zusehen können.
Silke von tierchenwelt.de
Kleptoparasitismus
• Möwen stehlen von Pelikanen
Möwen lieben Braunpelikane. Sie landen ganz frech direkt auf dem Kopf des Pelikans und warten, bis dieser nach dem Tauchflug das Wasser aus dem Kehlsack ablaufen lässt. Sobald der Pelikan den Schnabel leicht öffnet und ein Fisch seitlich herausrutscht, schnappt die Möwe zu. Dieses Verhalten nennt man Kleptoparasitismus, von „klepto“ = „klauen“ und „parasitismus“ = „bei einem Anderen essen“. Man könnte auch sagen: Schmarotzertum durch Diebstahl.
• Pelikane stehlen von Kormoranen
Was Möwen können, können auch Krauskopfpelikane. Sie lauern Kormoranen an der Wasseroberfläche auf. Taucht ein Kormoran mit seiner Beute auf, wird er vom Pelikan so heftig bedrängt, geschüttelt oder unter Wasser gedrückt, bis er sie panisch fallen lässt.
Fähigkeiten und Sinne
Sie können ihren Kehlsack umstülpen
Um sich abzukühlen (Thermoregulation) oder Fischgräten loszuwerden, beherrschen Pelikane ein merkwürdig aussehendes Verhalten: Sie legen den Kopf in den Nacken, öffnen den Schnabel und drücken ihren Hals gegen die Innenseite des Hautsacks. Sie drehen den Kehlsack wie ein Kleidungsstück „auf links“.
Pelikane fliegen weite Strecken
Pelikane sind so etwas wie Langstreckenflugzeuge! Sie nutzen die Thermik (aufsteigende, warme Luft) optimal aus und können daher ohne Pause ganze 24 Stunden am Stück fliegen. Dabei erreichen sie eine Geschwindigkeit von bis zu 56 km/h und legen bis zu 500 km zurück.
Pelikane fliegen überraschend hoch
Dank ihrer speziellen, hohlen und extrem leichten Knochen können die schweren Vögel eine beeindruckende Flughöhe von über 3.000 Metern erreichen.
Lebenserwartung
Die durchschnittliche Lebenserwartung in freier Wildbahn liegt bei 15 bis 25 Jahren.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Erwachsene Pelikane haben kaum Feinde – außer Jaguare, Leoparden, Krokodile, Alligatoren sowie freilaufende Hunde. Die größte Gefahr besteht für ihre Eier und ihre Küken. Sie werden von Vögeln wie Seeadlern, Milanen, Möwen und Krähen erbeutet. Auch Säugetiere wie Füchse, Schakale, Waschbären, und Wildschweine plündern die Nester.
Der Mensch
• Umweltgifte
Der Braunpelikan wäre beinahe in den 1960er Jahren wegen des Pflanzenschutzmittels DDT ausgestorben (ebenso wie der Wanderfalke!). Das Insektizid machte die Schalen der Eier so dünn, dass die Küken nicht überleben konnten. Zum Glück konnte sich der Bestand durch ein Verbot von DDT wieder erholen.
• Fischerei
Pelikane verheddern sich häufig in abgerissenen oder weggeworfenen Angelschnüren oder Netzen und ertrinken.
Bedeutung für das Ökosystem
Pelikane sind die „Gesundheitspolizei“ im Wasser. Sie erbeuten oft kranke, schwache oder langsame Tiere. Sie tragen auf diese Weise dazu bei, dass sich Krankheiten und Parasiten nicht so schnell ausbreiten.
Fortpflanzung
Paarungszeit und Balz
Sie beginnt in den gemäßigten Klimazonen meist im Frühjahr, in tropischen Regionen ist sie oft ganzjährig oder von der Regenzeit abhängig. Das Männchen wirbt mit auffälligen Bewegungen, Dehnen des Schnabels und dem Vorzeigen des bunt gefärbten Kehlsacks. Wenn sich ein Paar gefunden hat, bleibt es für die Brutsaison zusammen. Im nächsten Jahr suchen sie sich meistens neue Partner.
Nestbau und Eiablage
Pelikan nisten auf dem Boden oder auf Bäumen und in Sträuchern. Das Nest besteht aus Zweigen, Schilf und Gräsern. Das Weibchen legt meist 2-3 weiße Eier. Beide Elternteile wechseln sich beim Brüten ab. Die Brutzeit beträgt etwa 30-36 Tage.
Brüten mit den Füßen
Pelikane haben keinen „Brutfleck“ (nackte Hautstellen am Bauch). Sie wärmen die Eier, indem sie sich mit ihren großen, warmen Schwimmhäuten der Füße daraufstellen.
Aufzucht
Die Küken kommen nackt und blind zur Welt. Sie werden von beiden Eltern mit vorverdautem Fischbrei aus dem Kehlsack gefüttert. Nach 10-12 Wochen sind die Jungvögel flügge.
Der Pelikan ist verwandt mit:
- Hammerkopf
- Ibis
- Löffler
- Reiher
- Schuhschnabel
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Buntbarsch
- Flamingo
- Frösche
- Hering
- Ibis
- Karpfen
- Kormoran
- Krebstiere
- Meeräsche
- Möwe
- Reiher
- Schakal
- Schildkröten
- Storch
Empfohlene Videos:
Quellen:
- Chlorinated Hydrocarbons and Eggshell Changes in Raptorial and Fish-Eating Birds (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
- Kleptoparasitism of Adult and Immature Brown Pelicans by Heermann's Gulls (https://www.researchgate.net)
- The kleptoparasitic and commensal association of Dalmatian Pelicans (Pelecanus crispus) with Great Cormorants (Phalacrocorax carbo) (https://www.researchgate.net)
- Aktualisiert am















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