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Flamingo

Ein Jamesflamingo nimmt Anlauf, um abzuheben - Foto: Curioso/Shutterstock

Steckbrief Flamingo

Größe 100-140 cm (95-165 cm Spannweite)
Geschwindigkeit 50-60 km/h
Gewicht 1,8 bis 2,8 kg
Lebensdauer 20-30 Jahre
Nahrung Krebstiere, Algen
Feinde Greifvögel, Wildhunde
Verbreitung Afrika, Mittel- und Südamerika, Asien, Europa
Lebensraum Salzige Seen
Ordnung Flamingos
Familie Flamingos
Wissenschaftl. Name Phoenicopterus
Merkmale Großer Vogel mit rosa Gefieder, steht oft auf einem Bein

Merkmale und Besonderheiten

Flamingos gehören zu den auffälligsten Vögeln unseres Planeten. Mit ihrem leuchtend rosa Gefieder, dem extrem langen Hals und den dünnen Beinen sind sie unverwechselbar. Sie sind extrem gesellige Tiere und leben in riesigen Kolonien zusammen. Ihr Markenzeichen: Sie verbringen Stunden schlafend auf nur einem Bein.

Kubaflamingo - Foto: birdpits/Shutterstock

Arten

Weltweit gibt es sechs verschiedene Flamingo-Arten:

  • Rosaflamingo: die größte Art, blasse Gefiederfarbe
  • Zwergflamingo: die kleinste Art, dunklerroter Schnabel
  • Kubaflamingo: auch bekannt als Roter Flamingo, wegen seinem knallig roten Gefieder
  • Chileflamingo: knallrote Gelenke („Knie“), einziger mit grau-grünen Beinen
  • Andenflamingo: gelber Schnabel, einziger mit gelben Beinen
  • Jamesflamingo: gelber Schnabel, rote „Augenmaske“

Chileflamingo - Foto: Jonathan Chancasana/Shutterstock

Verbreitung und Lebensraum

Verbreitung

Flamingos sind echte Anpassungskünstler und auf fast allen Kontinenten der Erde zu Hause. Nur in Australien und der Antarktis sucht man sie vergeblich. Die meisten leben in Afrika, Süd- und Mittelamerika sowie in Asien, inbesondere Indien. Interessanterweise sind sie auch im Europa im Mittelmeerraum heimisch – z. B. in der französischen Camargue oder in Spanien. Sogar im Norden Deutschlands, im Zwillbrocker Venn, gibt es eine kleine, dauerhafte Brutkolonie.

Die genaue Verteilung nach Arten:

  • Andenflamingo: Peru, Chile
  • Chile-Flamingo: Südamerika
  • James-Flamingo: Chile
  • Kubaflamingo: Karibik, Mittelamerika, Galápagos-Inseln
  • Rosaflamingo: Europa, Afrika
  • Zwergflamingo: Afrika

Lebensraum

Leben in der Extrem-Zone! Flamingos lieben Lebensräume, in denen nur wenige andere Tiere leben (können) – zum Beispiel Salzkrebschen oder Salzfliegen. Sie leben bevorzugt an extrem salzhaltigen oder hochalkalischen Seen (Natronseen). Das Wasser dort ist teilweise so ätzend, dass es menschliche Haut in Sekundenschnelle verbrühen würde. Den Flamingos macht das gar nichts: Ihre Beine sind durch eine besonders zähe, lederartige Haut geschützt. Sie können sogar kochend heißes Wasser aus Geysiren trinken, um ihren Flüssigkeitsbedarf zu decken.

Lebensweise

Flamingos sind tagaktiv. Am aktivsten sind sie morgens und in der Dämmerung. Sie leben in großen Kolonien zusammen.

Flamingo Körperbau und Aussehen - Foto: Natura didac/Shutterstock

Körperbau und Aussehen

Größe und Gewicht

Flamingos haben eine Körperlänge von 100-140 cm, eine Spannweite von 95-165 cm und wiegen 1,8 bis 2,8 kg.

(Fast) alles ist pink!

Wieso sind Flamingos pink? Das Geheimnis „liegt auf dem Teller“: Sie erhalten ihre auffällige Farbe durch ihre Nahrung, und zwar durch rosa Farbpigmente in bestimmten Algen und Krebstieren. Die rosa Farbstoffe sitzen so tief im Gewebe, dass bei Flamingos quasi alles eingefärbt ist. Auch die Haut, das Fettgewebe und sogar die inneren Organe haben einen deutlichen Rosastich. Wenn sie anderes Futter bekommen - z. B. in Zoos – verblasst die Farbe und sie werden weiß.

Fun Fact: ... sogar das Eidotter eines Flamingo-Eis kann knallpink sein!

Lange, dünne Beine

Mit ihren langen Beinen waten sie tiefer ins Wasser als andere Vögel und erreichen so mehr Futter. Die Beine sind aber immer rosa. Nur nicht beim Andenflamingo. Er ist der einzige, der gelbe Beine hat.

Der praktische Seihschnabel

Flamingos haben einen sogenannten Seihschnabel. Er heißt so, weil sie mit ihm Nahrung aus dem Wasser „seihen“ (= sieben, filtern). Im Inneren des Schnabels befinden sich jeweils links und rechts an den Seiten dünne Stäbchen aus Horn: die Lamellen. Bei allen Flamingos ist der Schnabel übrigens pink – nur der Andenflamingo und der Jamesflamingo haben einen gelben Schnabel.

Das verdrehte Knie (ein Missverständnis)

Bei Flamingos sehen die Knie so aus, als würden sie sich in die „falsche“ Richtung (nach hinten) beugen. Das ist aber nur eine optische Täuschung. In der Mitte des langen Beins ist gar nicht das Knie, sondern das Knöchelgelenk. Der Flamingo läuft quasi ständig auf Zehenspitzen. Sein echtes Knie sitzt viel weiter oben, ganz dicht am Körper, und ist unter den Federn versteckt. Es beugt sich genau wie unseres nach vorne.

Ein Flamingo nutzt seinen Seihschnabel, um Nahrung aus dem Wasser zu filtern - Foto: Coffeemill/Shutterstock

Ernährung

Flamingos sind Allesfresser. Sie ernähren sich hauptsächlich von kleinen Krebstieren und Algen. Außerdem essen sie Fische, Ringelwürmer, Larven und Muscheln.

Wie essen Flamingos?

• Kopfüber – macht auch nicht jeder

Flamingos sind die einzigen Vögel, die ihre Nahrung kopfüber filtern. Sie halten ihren Schnabel so ins Wasser, dass die Oberseite nach unten zeigt.

• Ein Schnabel wie ein Nudelsieb

Die Vögel füllen nun ihren Schnabel mit Wasser und schließen ihn dann bis auf einen winzigen Spalt. Dann drücken sie mit ihrer großen Zunge das Wasser durch die feinen Lamellen wieder heraus. Die Krebstiere sind jedoch zu groß. Sie bleiben an den Lamellen hängen und können heruntergeschluckt werden. Sie funktionieren ganz genauso wie die Barten eines Blauwals und des Buckelwals.

Fun Fact: Flamingos erzeugen mit ihren Füßen unter Wasser kleine Tornados, in denen sich ihre Beute verfängt!

Andenflamingo - Foto: reisegraf.ch/Shutterstock

Verhalten

Warum stehen Flamingos auf einem Bein?

Flamingos stehen auf einem Bein und ziehen das andere an, weil sie dadurch so gut wie keine Muskelkraft benötigen. Ihr Körper „rastet“ in den Gelenken quasi von selbst ein und ruht auf einem Bein sogar stabiler als auf zweien. Außerdem verlieren sie weniger Körperwärme. Sobald sich ein Bein im warmen Federkleid befindet, muss das Herz nicht so viel Blut durch die Adern pumpen.

Sozialverhalten

• Sie bilden riesige Schwärme

Sind Flamingos gesellig? Ja, sie leben meist in großen Kolonien, die aus über 10.000 Vögeln bestehen können. Am Natronsee in Tansania (Ostafrika) wurde sogar schon eine Kolonie mit über einer Million Zwergflamingos beobachtet.

• Aber sie sind nicht mit jedem befreundet!

Flamingos sind sehr soziale Tiere, aber sie sind bei Freunden wählerischer als gedacht. Sie pflegen feste, jahrzehntelange Freundschaften und bilden „Cliquen“. Ihre Beziehungen hängen stark von der Persönlichkeit des Vogels ab.

Rosaflamingo - Foto: Onrej Prosicky/Shutterstock

Fähigkeiten und Sinne

Können Flamingos fliegen?

Ja! Sie müssen allerdings erst Anlauf nehmen, um das nötige Tempo dafür zu erreichen. Wenn sie durch die Lüfte fliegen, schlagen sie meistens schnell und pausenlos mit den Flügeln. Auch in der Luft sind sie gerne in Gesellschaft und fliegen in großen Gruppen.

Sie bilden Kropfmilch

Eine der spannendsten Eigenschaften ist die Fähigkeit, Milch zu produzieren – obwohl Flamingos Vögel und keine Säugetiere sind. Von allen Vögeln auf der Welt, können sie nur Flamingos, Tauben, und Kaiserpinguine herstellen. Die Kropfmilch entsteht in der Speiseröhre (Kropfschleimhaut). Sie ist eine extrem nährstoffreiche, tiefrote Flüssigkeit mit der sie ihre Küken füttern. Die Aufzucht ist so anstrengend, dass die Elternvögel währenddessen ihre rosa Farbe verlieren und vorübergehend weiß werden!

Das Balz-Balett - oder: die Flamingo-„Moves“

Flamingos bewegen sich bei der Partnersuche wie in einem perfekt choreografierten Pop-Musikvideo oder Flashmob. Hunderte oder Tausende Vögel laufen plötzlich gleichzeitig in die selbe Richtung, spreizen gleichzeitig die Flügel oder drehen ruckartig die Köpfe von links nach rechts. Es machen einfach alle mit – Männchen wie Weibchen gleichermaßen – bis sich im Tanzchaos Paare gefunden haben. Die „Moves“ haben sogar Namen:

  • Head-flagging („Kopf-Flagge“): Sie strecken ihren Hals und Kopf hoch nach oben und neigen ihn abwechselnd von Seite zu Seite.
  • Wing-salute („Flügel-Gruß“): Sie zeigen unterschiedliche Gefiederfarben, indem sie ihre Flügel aufspannen.
  • Twist-preen („Putz-Twist“): Sie drehen ihren Hals nach hinten und schnäbeln schnell durch ihre Federn.
  • Marching („Marschieren“): Sie marschieren wie eine Blaskapelle in eine Richtung, bevor sie plötzlich anhalten und die Richtung ändern.

Foto: buteo/Shutterstock

Feinde und Bedrohungen

Natürliche Feinde

Flamingos haben nur wenige natürliche Feinde. Allerdings sind ihre Eier und ihre Küken eine begehrte Beute. Sie nisten daher meistens auf schwer zugänglichen Schlamminseln. Dort sind sie vor Landräubern wie Schakalen, Hyänen oder Wildkatzen in Sicherheit. Aus der Luft werden ihnen jedoch Raubvögel wie Adler, Geier und Marabus gefährlich.

Der Mensch

Die größte Bedrohung ist die Trockenlegung von Feuchtgebieten, der Bau von Staudämmen und die industrielle Salzgewinnung. Dadurch schrumpft ihr Lebensraum stark. Die Verschmutzung von Gewässern durch Pestizide und Abwässer führt außerdem dazu, dass ihre Hauptnahrungsquellen – kleine Krebstiere und Algen – absterben. Zudem sorgt die Zunahme rücksichtsloser Touristen dafür, dass sich Flamingos gestört fühlen und ihre Brutplätze komplett aufgeben (Stichwort: Selfie).

Flamingo mit einem Ei - Foto: Steve Bower/Shutterstock

Fortpflanzung

Ein ungemütliches Nest

Ein Flamingo-Nest gewinnt keinen Schönheitspreis, denn es ist kaum mehr als eine Matschmulde. Damit das Ei bei Hochwasser nicht weggeschwemmt wird, bauen die Vögel einen bis zu 30 cm hohen Kegel aus Matsch.

Teamwork bei der Aufzucht

Nach dem Schlüpfen bleibt das Küken etwa 5 bis 12 Tage im Nest. Es wird von Vater und Mutter gemeinsam mit der roten Kropfmilch gefüttert. Die Aufzucht ist ein Gemeinschaftsprojekt: Manchmal helfen sogar befreundete Flamingos aus der Clique beim Babysitten und Füttern aus.

Flamingo-Nester - Foto: Sergey Uryadnikov/Shutterstock

Fun Facts

Flamingos im alten Ägypten

Flamingos wurden im alten Ägypten als Hieroglyphen dargestellt. Es gibt sogar steinzeitliche Höhlenzeichnungen von ihnen.

Flamingos sind Stelzvögel

Früher wurden Flamingos zu den Stelz- bzw. Schreitvögeln gezählt, dann zu den Gänsevögeln, dann zu den Regenpfeiferartigen. Heute sind die Biologen nun wieder der Meinung, dass sie doch zu den Stelzvögeln gehören. Oder zu den Lappentauchern. Es ist kompliziert ;)


Der Flamingo ist verwandt mit:

  • Lappentaucher

Weitere Tiere im Lebensraum:


Quellen:


Empfohlene Beiträge:

Video: 27 spannende Fakten über Flamingos

  • Aktualisiert am

Alle Stelzvögel im Überblick


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