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Weißer Hai

Weißer Hai - Foto: Ramon Carretero/Shutterstock

Steckbrief Weißer Hai

Größe 3,4-4,9 m (Weibchen bis zu 6 m)
Geschwindigkeit 25 km/h (kurzzeitig bis zu 40 km/h)
Gewicht 700 kg bis 2,1 Tonnen
Lebensdauer 30-70 Jahre
Nahrung Robben, Seelöwen, Fische, Rochen, Tintenfische, Aas
Feinde Schwerwale (Orcas)
Verbreitung Weltweit
Lebensraum Küstengewässer
Ordnung Makrelenhaiartige
Familie Makrelenhaie
Wissenschaftl. Name Carchadon carcharias
Merkmale Größter Raubfisch der Erde, stärkste Beißkraft aller Tiere

Merkmale und Besonderheiten

Der Große Weiße Hai ist der größte Raubfisch unseres Planeten. Von allen Tieren hat er die stärkste Beißkraft. Sein auffälligstes Merkmal ist seine Körperform: Er sieht aus wie ein Torpedo – mit zahllosen spitzen Zähnen! Obwohl er in Filmen als furchterregender Killer dargestellt wird, macht er keine Jagd auf Menschen. Tödliche Bisse sind meistens nur neugierige „Testbisse“. Weltweit sterben mehr Menschen durch herabfallende Kokosnüsse, umfallende Snackautomaten oder bei dem Versuch ein spektakuläres Selfie zu machen.

Weißer Hai - Foto: VisionDive/Shutterstock

Verbreitung und Lebensraum

Große Weiße Haie leben weltweit in fast allen Ozeanen, vor allem in küstennahen, gemäßigten und subtropischen Gewässern. Besonders häufig sind sie an den Küsten von Südafrika, Australien, Neuseeland, Kalifornien sowie Teilen des Mittelmeers. Sie bewegen sich sowohl in flachen Küstenzonen – wo sich oft Robben befinden – als auch im offenen Ozean.

Lebensweise

Weiße Haie sind meistens als Einzelgänger im offenen Meer unterwegs. Sie legen weite Strecken zurück und wandern jedes Jahr Tausende von Kilometern, um Nahrung zu finden oder sich fortzupflanzen. An guten Futterplätzen (etwa vor Robbeninseln) treffen manchmal mehrere Haie zusammen. Dort herrscht eine klare Rangordnung: Die größeren und älteren Tiere haben Vorrang beim Essen.

Weißer Hai - Foto: Tetsuo Arada/Shutterstock

Körperbau und Aussehen

Größe und Gewicht

Die männlichen Haie werden meist zwischen 3,5-4 m lang, die weiblichen sogar 4,5-5 m. Ihr Gewicht kann bis zu 2 Tonnen betragen – das entspricht etwa dem Gewicht eines ausgewachsenen Geländewagens!

Raue „Zähnchen“-Haut

Die Haut des Weißen Hais sieht glatt aus, fühlt sich aber sehr rau an - wie Sandpapier! Sie besteht aus Millionen winziger Hautzähne, die Wasserwirbel verringern und den Hai blitzschnell und lautlos durchs Wasser gleiten lassen.

Das Revolvergebiss

Der Weiße Hai hat dreieckige, gezackte Zähne, die bis zu 7,5 cm lang werden und in mehreren Reihen hintereinander stehen. Wenn ein Zahn ausbricht, rückt ein neuer Zahn nach - wie die Patronen in der Trommel eines alten Revolvers. Das passiert sehr fix: innerhalb von 24-48 Stunden! Er hat etwa 50 „aktive“ Zähne, aber gleichzeitig immer mindestens 300 Zähne, die quasi bereits „in den Startlöchern“ stehen. In einem Leben kann ein Weißer Hai bis zu 30.000 Zähne verbrauchen.

Keine Schwimmblase

Wie alle Haie hat auch der Weiße Hai keine Schwimmblase. Wenn er aufhört zu schwimmen, sinkt er zu Boden.

Aber eine gigantische Leber

Die Leber eines Weißen Hais macht 25-30 % seines gesamten Körpergewichts aus und kann 300-450 kg wiegen. Sie dient als Auftriebshilfe, da Öl etwa 6-mal leichter ist als Wasser. Nebenbei ist die Leber auch noch ein praktischer „Zusatztank“, der die nötige Energie für weite Wanderungen speichert.

Warum ist der Bauch weiß?

Trotz seines Namens ist nur der Bauch strahlend weiß. Der Rücken ist dunkelgrau gefärbt. Diese unterschiedliche Färbung nennt man Konterschattierung: Wenn ein Beutetier nach unten ins dunkle Meer blickt, verschmilzt der Hai mit dem Meeresgrund. Und wenn es nach oben sieht, löst sich sein weißer Bauch gegen das helle Sonnenlicht der Wasseroberfläche auf.

Weißer Hai - Foto: BW Folsom/Shutterstock

Ernährung

Der Weiße Hai ist ein Fleischfresser. Sein Speiseplan verändert sich mit seinem Alter. Junge Haie ernähren sich hauptsächlich von kleineren Fischen, Rochen und Tintenfischen. Erwachsene Haie bevorzugen fett- und energiereiche Nahrung, besonders Robben, Seelöwen und See-Elefanten. Auch Aas – wie der Kadaver eines verendeten Wals – wird nicht verschmäht.

Verhalten

Jagdmethode

Weiße Haie jagen meist aus dem Hinterhalt. Sie schwimmen unter ihrer Beute her, beobachten sie und greifen mit einem blitzartigen Sprint von unten an.

Breaching

Vor der Küste Südafrikas schießen Haie bei der Robbenjagd mit so hoher Geschwindigkeit nach oben, dass sie katapultartig komplett aus dem Wasser fliegen. Das nennt man „breaching“ (die Wasseroberfläche „durchbrechen“).

Spy-Hopping

Manchmal halten sie ihren Kopf senkrecht aus dem Wasser, um ihre Umgebung an der Oberfläche mit den Augen zu erkunden – ganz ähnlich wie Wale.

Weißer Hai - Foto: Sergey Uryadnikov/Shutterstock

Wie gefährlich sind Weiße Haie?

Gefährliche Testbisse

Jedes Jahr gibt es tödliche Begegnungen mit dem Weißen Hai. Dabei handelt es sich aber nicht um gezielte Angriffe. Ein Weißer Hai besitzt keine Hände oder Finger, um unbekannte Dinge zu betasten. Stattdessen macht er sogenannte „Testbisse“, um festzustellen, worum es sich handelt. Da Menschen keine dicke, leckere Fettschicht hat wie Robben, lässt er meistens sofort wieder ab. Unglücklicherweise kann ein Testbiss so kräftig sein, dass es trotzdem zu Todesfällen kommen kann.

Die echte Gefahr

Weltweit sterben jedes Jahr 2-6 Menschen durch Testbisse von Weißen Haien. Aber: Die Wahrscheinlichkeit von einem Blitz getroffen zu werden, ist um ein Vielfaches höher. Genauso wie die Gefahr, bei einem Sturz aus dem Bett zu sterben oder von einem umkippenden Snackautomaten erschlagen zu werden.

Beim Schnorcheln habe ich mal einen kleinen, jungen Zitronenhai gesehen. Er war harmlos, aber wow, da hat mein Herz ganz schön gepocht! Ich weiß nicht, ob ich einem Weißen Hai begegnen möchte.

Silke von tierchenwelt.de

Weißer Hai - Foto: Martin Prochazkacz/Shutterstock

Fähigkeiten und Sinne

Stärkste Beißkraft

Von allen Tieren auf der Welt kann der Weiße Hai am stärksten zubeißen. Er hat eine Beißkraft von 18.000 Newton – der Mensch nur 200-400 Newton. Newton ist die physikalische Bezeichnung für eine Kraft. 10 Newton entsprechen zum Beispiel etwa der Gewichtskraft von 1 kg. Also hat der Weiße Hai eine Beißkraft von 1.800 kg. Nur der Tyrannosaurus Rex (57.000 Newton) und der Megalodon (182.000 Newton) konnten stärker zubeißen.

Sinne

Der Weiße Hai hat herausragende Sinne:

  • Geruchssinn: Er kann einen einzelnen Tropfen Blut in Millionen Litern Wasser wahrnehmen.
  • Sehsinn: Selbst bei schlechter Sicht unter Wasser sieht er sehr gut.
  • Hörsinn: Auch über große Entfernung hört er hervorragend.
  • Elektro-Sinn: Außerdem hat er noch einen weiteren Sinn: den Elektro-Sinn! In seiner Nase sitzen feine Sinnesorgane (Lorenzinische Ampullen), mit denen er kleinste elektrische Felder spüren kann – etwa den Herzschlag eines Fisches im Sand.

Halb wechselwarm, halb warmblütig

Die meisten Fische sind wechselwarm – das heißt, dass ihre Körpertemperatur von ihrer Umgebung abhängig ist. Beim Weißen Hai ist das anders. Er ist teilweise warmblütig. Er kann seine Schwimmmuskeln und Innereien über besondere Blutgefäße warm halten – und zwar etwa 10-14 °C wärmer als das umgebende Meerwasser. Das hilft ihm, selbst im kühlen Ozean schnell und wendig zu schwimmen.

Wie schlafen Weiße Haie?

Weiße Haie brauchen Sauerstoff zum Atmen. Aber nur wenn sie schwimmen, gelangt frisches Wasser in ihre Kiemen, denn sie haben keine Atemmuskulatur wie wir Menschen. Sie dürfen also nie anhalten. Aber wie schlafen sie dann? Sie schalten eine Hälfte des Gehirns ab! Die andere Hälfte bleibt aktiv und sorgt für Schwimmbewegungen.

Sie schwimmen bis zu 11.000 km weit

Weiße Haie legen gewaltige Strecken zurück. Forscher haben im Jahr 2004 ein Weibchen namens Nicole mit einem Tracker ausgestattet. Sie schwamm innerhalb von 99 Tagen rund 11.000 km von Südafrika nach Australien. Dort fiel ihr Tracker planmäßig ab. Sie wurde jedoch weniger als 9 Monate später wieder zurück in Südafrika erkannt – weil sie eine besondere Einkerbung an ihrer Rückenflosse hat. Sie ist also insgesamt über 20.000 km geschwommen. Die längste Wanderung am Stück schaffte Alisha, auch ein weiblicher Weißer Hai. Sie schwamm innerhalb von vier Jahren 37.178 km.

Und tauchen bis zu 1.264 m tief

Weiße Haie tauchen regelmäßig tief ab. Es wurden Aufzeichnungen gemacht, bei denen Haie Tiefen von bis zu 1.264 m erreichten.

Weißer Hai - Foto: Alexius Sutandio/Shutterstock

Lebenserwartung

Forscher schätzten die Lebensdauer früher auf 20-30 Jahre. Heute weiß man, dass Weiße Haie in freier Wildbahn 30-70 Jahre alt werden können.

Feinde und Bedrohungen

Natürliche Feinde

Schwertwale (Orcas) sind die einzigen natürlichen Feinde des Weißen Hais. Sie jagen ihn in Gruppen, um an seine nährstoffreiche Leber zu gelangen.

Der Mensch

Die größte Bedrohung geht vom Menschen aus. Durch Überfischung, Verheddern in Stellnetzen (Beifang), gezielte Jagd nach Flossen und die Verschmutzung der Ozeane schrumpfen die Bestände weltweit. Da Weiße Haie vor allem im offenem Meer leben, ist es schwierig zu schätzen, wie viele Tiere es noch gibt. Dennoch wird die Art von der IUCN als „gefährdet“ eingestuft.

Bedeutung für das Ökosystem

Der Große Weiße Hai ist ein sogenannter Spitzenprädator: Er steht an der Spitze der Nahrungskette. Er hält das biologische Gleichgewicht im Ozean aufrecht, indem er kranke oder schwache Tiere isst. Das verhindert, dass sich einzelne Arten (wie Robben) übermäßig vermehren.

Weißer Hai - Foto: wildestanimal/Shutterstock

Fortpflanzung

Erstaunlich spät reif

Weiße Haie lassen sich viel Zeit. Die männlichen Tiere werden erst mit rund 26 Jahren geschlechtsreif, die weiblichen sogar erst mit etwa 33 Jahren.

Lebendgebärend

Von 36.500 Fischarten legen 98 % Eier. Der Weiße Hai gehört zu den wenigen Arten, bei denen sich die Eier im Mutterleib entwickeln. Die Baby-Haie ernähren sich zuerst vom Eidotter und später von unbefruchteten Eiern im Mutterleib. Manchmal verspeisen die größten und stärksten Babys schwache und unterentwickelte Geschwister.

Lange Tragzeit

Die Tragzeit der Weißen Haie ist ungewöhnlich lang: Sie beträgt 12-18 Monate. Nur fünf andere Fische haben eine längere Tragzeit – auch alles Haie.

Wenige Jungtiere

Weiße Haie bringen nur 2-12 Jungtiere zur Welt. Das ist im Gegensatz zu anderen Fischen sehr wenig. Die Kleinen sind bei der Geburt bereits 1,2-1,5 Meter lang – und sofort auf sich allein gestellt.


Der Weiße Hai ist verwandt mit:

  • Kurzflossen-Mako
  • Langflossen-Mako
  • Lachshai

Weitere Tiere im Lebensraum:


Quellen:

  • Transoceanic dispersal and connectivity of a white shark (Carcharodon carcharias) between southern Africa and Southeast Asia (https://bioone.org)
  • Vertebral Bomb Radiocarbon Suggests Extreme Longevity in White Sharks (Carcharodon carcharias) (https://journals.plos.org)
  • Regulation of body temperature in the white shark, Carcharodon carcharias (https://www.researchgate.net)
  • Migration, dive behavior and habitat utilization of the white shark (Carcharodon carcharias) in the eastern Pacific Ocean (https://ui.adsabs.harvard.edu)

Empfohlene Beiträge:

  • Aktualisiert am

Alle Haie und Rochen im Überblick


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