Säbelschnäbler
Steckbrief Säbelschnäbler
| Größe | 42-45 cm (Schnabel 7-8 cm) |
| Geschwindigkeit | bis 40 km/h |
| Gewicht | 140-400 g |
| Lebensdauer | 10-15 Jahre |
| Nahrung | Insekten, Fische, Krustentiere |
| Feinde | Greifvögel, Füchse, Marder, Wiesel, Möwen, Hunde |
| Lebensraum | Europa, Nordasien |
| Ordnung | Regenpfeiferartige |
| Familie | Säbelschnäbler |
| Wissenschaftl. Name | Recurvirostra avosetta |
| Merkmale | Watvogel; lange Beine, nach oben gebogener Schnabel |
Merkmale und Besonderheiten
Der Säbelschnäbler ist ein schwarz-weißer Watvogel. Seine auffälligste Merkmale sind der schmale, nach oben gebogene Schnabel und die langen, blauen Beine. Wenn er Futter sucht, hält er seine Schnabelspitze leicht geöffnet ins flache Wasser und bewegt den Kopf rhythmisch von links nach rechts. Das sieht aus, als würde er mit einer Sense Gras mähen.
Verbreitung und Lebensraum
Der Säbelschnäbler lebt an Küsten Nord- und Mitteleuropas, an der Ostsee sowie an den Küsten des Mittelmeers. Auch in den Steppenseen Zentralasiens ist er zu finden. Er braucht flache Gewässer mit schlammigem oder sandigem Boden. Er liebt Wattflächen, Lagunen, Salzwiesen und Salzgewinnungsstätten. Im Winter zieht der Vogel in wärmere Gebiete - nach Afrika oder Südasien.
Lebensweise
Säbelschnäbler sind gesellige Vögel. Sie brüten gerne in Kolonien, die oft aus einigen Dutzend Paaren bestehen. Den Tag verbringen die Vögel mit der Futtersuche im seichten Wasser. Wenn die Ebbe das Watt freilegt, suchen sie im weichen Schlick nach Nahrung.
Woher hat der Säbelschnäbler seinen Namen?
Sein Name verrät direkt seine Besonderheit. Wenn der Vogel durch das flache Wasser watet, schwenkt er seinen Kopf hin und her. Diese seitliche Bewegung erinnert an das Mähen mit einem Säbel oder einer Sense. Wenn sich mehrere dieser Vögel zusammentun und gemeinsam „mähen“ ergibt das ein ziemlich lustiges Bild!
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Ein ausgewachsener Säbelschnäbler wird etwa 42-45 cm groß. Allein sein langer Schnabel misst bereits 7-8 cm. Damit ist der Vogel ungefähr so groß wie eine Haustaube, wirkt durch seine langen Beine aber deutlich größer. Sein Gewicht schwankt zwischen 140 und 400 g.
Schnabel
Der auffällig gebogene Schnabel hilft dem Säbelschnäbler bei der Suche nach Futter. Er hält seinen ihn in das seichte Wasser und bewegt ihn seitwärts hin und her, um kleine Tierchen aufzuscheuchen und aus dem weichen Schlick zu sieben.
Gefieder
Sein Gefieder ist leuchtend weiß und trägt schwarze Muster auf dem Rücken sowie auf dem Kopf.
Beine
Die Beine sind erstaunlich lang und haben eine bläuliche Farbe.
Ernährung
Der Säbelschnäbler ist ein Fleischfresser. Auf seinem Speiseplan stehen kleine Tiere, die im Flachwasser leben: kleine Krebstiere wie Strandflohkrebse und Garnelen, Insekten und deren Larven, Borstenwürmer und Wattwürmer, kleine Schnecken und Muscheln sowie gelegentlich ganz kleine Fische.
Verhalten
Wie verteidigen Säbelschnäbler ihr Nest?
• Einzigartige Verteidigung mit Lauten
Säbelschnäbler stoßen bei Gefahr eine Serie von Lauten aus und verändern ganz leicht deren Tonhöhe. Es hört sich so an, als würden sie sich ihrem Feind ganz schnell nähern - was diesem mit etwas Glück Angst einjagt. Die Vögel nutzen den so genannten „Doppler-Effekt“.
Der Doppler-Effekt - Wie beim Feuerwehrauto
Wenn sich ein Feuerwehrauto auf dich zu bewegt, hört sich die Sirene höher an. Wenn es sich von dir weg bewegt, klingt sie tiefer. Das hängt mit den Schallwellen zusammen. Wenn das Feuerwehrauto auf dich zu kommt, schiebt es die Schallwellen, also die Geräusche quasi vor sich her. Diese drängen sich immer dichter und dichter aneinander und hören sich dadurch höher an. Das nennt man Doppler-Effekt.
• Säbelschnäbler täuschen Feinde
Um Nesträuber abzulenken, haben sich die Säbelschnäbler etwas einfallen lassen. Sie spielen „verletzter Vogel“ und versuchen, das Interesse des Angreifers auf sich zu lenken. Sie hinken krächzend von ihrem Nest weg. Ein verletzter Vogel ist schließlich leichte Beute und so machen sich die Angreifer lieber über ihn her. Tja, das gibt regelmäßig ein böses Erwachen!
• Säbelschnäbler verjagen Nesträuber
Der Sturzflug ist eine weitere Taktik des Säbelschnäblers, um andere Tiere vom Nest fern zu halten. Dabei fliegt er mit einem Affenzahn auf den Angreifer zu und dreht in der letzten Sekunde ab. Das wiederholt er so lange, bis der Nesträuber aufgibt. Manchmal greift der Säbelschnäbler sogar Raben und Habichte an, obwohl diese größer und stärker sind als er. Das Nest und die Kinder sind eben wichtiger.
Fähigkeiten und Sinne
Feiner Tastsinn im Schnabel
Die Schnabelspitze besitzt hochempfindliche Nervenenden. Damit spürt der Vogel Beute selbst im trüben Schlamm mühelos auf.
Lebenserwartung
In freier Wildbahn erreichen Säbelschnäbler durchschnittlich ein Alter von 10-12 Jahren. Wenn die Lebensbedingungen gut sind und wenig Feinde drohen, können sie auch 15 Jahre alt werden.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Zu den natürlichen Feinden der Altvögel gehören Wanderfalken und Rohrweihen. Die Eier und Küken sind besonders gefährdet durch Füchse, Marder, Wiesel, Wanderratten, Möwen und Rabenvögel.
Der Mensch
Die größte Gefahr geht vom Menschen aus. Es werden immer mehr Deiche an den Küsten gebaut, wodurch feuchte Salzwiesen verloren gehen. Auch Wattwanderer oder Hunde ohne Leine verschrecken die Vögel während der Brutsaison. Zudem verringert die Verschmutzung der Meere das Angebot an Nahrung im Watt.
Bedeutung für das Ökosystem
Der Säbelschnäbler nimmt eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz des Wattenmeeres ein. Er hält die Anzahl kleiner Krebstieren, Insekten und Würmern im Gleichgewicht.
Fortpflanzung
Säbelschnäbler setzen ihr Nest auf Stelzen
Säbelschnäbler bauen ihre Nester in flache Mulden. Aber was, wenn zwischendurch der Wasserspiegel steigt? Dann heißt es: „Achtung, Hochwasser, Stelzen raus!“ Die Vogeleltern heben dann das Nest an, indem sie kleine Stecken, Ästchen und Federn darunter legen.
Eier
Das Weibchen legt meist vier olivfarbene, dunkel gefleckte Eier. Beide Eltern teilen sich das Bebrüten für etwa 23-25 Tage.
Die Küken werden schnell erwachsen
Die meisten Vogelkinder verbringen mehrere Wochen im Nest ihrer Eltern und lassen sich füttern. Die kleinen Säbelschnäbler-Babys verlassen das Nest schon innerhalb der ersten 24 Stunden und können dann schon watscheln, schwimmen und tauchen. Sie suchen sofort eigenständig nach Nahrung, werden aber von den Eltern noch bewacht. Nach etwa 35-40 Tagen können die Jungvögel fliegen.
Der Säbelschnäbler ist verwandt mit:
- Ibisschnabel
- Regenpfeifer
- Krokodilwächter
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Austernfischer
- Gans
- Seehund
Quellen:
- Effects of predation and weather on the breeding success of Avocets Recurvirostra avosetta (https://www.tandfonline.com)
- Impacts of Salinity on Growth and Behavior of American Avocet Chicks https://bioone.org)
- The winter feeding ecology of Avocets Recurvirostra avosetta on intertidal areas. I. Feeding strategies https://bioone.org)
- Aktualisiert am




























