Vogelspinne
Steckbrief Vogelspinne
| Größe | Bis 12 cm (Körper), bis 27,9 cm (Spannweite) |
| Geschwindigkeit | 50-100 cm pro Sekunde |
| Gewicht | 28-170 g |
| Lebensdauer | 5-7 Jahre |
| Nahrung | Grillen, Schaben, Heuschrecken, Tausendfüßer, Skorpione |
| Feinde | Wespen, Skorpione, Hundertfüßer, Ameisen, Mangusten |
| Verbreitung | Afrika, Asien, Australien, Amerika, Europa |
| Lebensraum | Savanne, Grasland, Regenwald, Wüste, Buschland, Gebirge |
| Ordnung | Webspinnen |
| Familie | Vogelspinnen |
| Wissenschaftl. Name | Theraphosidae |
| Merkmale | Große Spinne mit vielen Haaren und langen Beißklauen |
Merkmale und Besonderheiten
Vogelspinnen sind (oft) große Spinnen mit einem sehr auffälligen Merkmal: Sie tragen einen dichten Pelz aus feinen Haaren auf dem Körper. Sie jagen vielen Menschen Angst ein, aber die meisten Arten sind sehr friedlich. Sie spinnen zwar Netze aus stabiler Seide, aber sie nutzen diese nicht zum Jagen. Vogelspinnen sind Lauerjäger. Sie bauen aus Seide geschützte Wohnröhren und warten am Eingang geduldig auf Beute.
Arten
Die Familie der Vogelspinnen ist groß: Es gibt 979 Arten! Sie unterscheiden sich stark in Größe und Farbe. Hier sind die bekanntesten:
- Mexikanische Rotknie-Vogelspinne: Ein beliebter Bewohner in Terrarien. Sie hat auffällige, orange-rote Ringe an ihren Beingelenken.
- Goliath-Riesenvogelspinne: Die mächtigste Vogelspinne der Welt aus Südamerika.
- Blaue Vogelspinne: Wunderschön leuchtende Arten aus Asien und Südamerika (zum Beispiel die Poecilotheria metallica).
- Brachypelma: Ruhige Bodenbewohner aus Süd- und Mittelamerika.
Entwicklung
Vogelspinnen lebten schon vor 350 Millionen Jahren auf der Erde.
Namen
Warum sagt man Vogelspinne?
Der Name geht auf die Naturforscherin Maria Sibylla Merian zurück. Sie reiste um das Jahr 1700 nach Surinam in Südamerika. Dort beobachtete sie eine große Spinne, die einen Kolibri erbeutet hatte. Ihre Zeichnung davon machte die Spinne als „Vogelspinne“ berühmt. Heute weiß man: Vogelspinnen essen nur sehr selten Vögel.
Warum sagt man Tarantel?
Vogelspinnen werden häufig als Taranteln bezeichnet. Kein Wunder: Im Englischen heißt die Vogelspinne schließlich „Tarantula“. Auch im Deutschen werden sie oft als Taranteln bezeichnet. Das ist jedoch falsch. Sie gehören zu einer völlig anderen Familie, und zwar zu den Wolfspinnen.
Verbreitung und Lebensraum
Vogelspinnen kommen auf fast allen Kontinenten der Erde vor. Besonders viele Arten leben in den warmen Tropen und Subtropen von Südamerika, Mittelamerika, Afrika, Asien und Australien. Auch im Süden von Europa gibt es einige Arten. Sie besiedeln ganz unterschiedliche Lebensräume: dichte, feuchte Regenwälder, trockene Wüsten, Halbwüsten, offene Graslandschaften, Savannen und hohe Gebirge.
Gibt es Vogelspinnen in Deutschland?
Nein, in Deutschland gibt es in der freien Natur keine echten Vogelspinnen (Theraphosidae). Es leben hier nur weit entfernte, kleine Verwandte wie die Tapezierspinne. Diese Spinne wird aber nur etwa 1-2 cm groß.
Lebensweise
Vogelspinnen sind nachtaktiv verbringen die meiste Zeit am Boden, in kleinen Kuhlen, Mulden oder Erdlöchern. Um ihre „vier Wände“ stabiler zu machen und vor dem Einstürzen zu bewahren, kleidet sie sie mit Seide aus – wie mit einer Tapete! Den Eingang verschließt sie ebenfalls mit einem feinen Netz. Auf diese Weise bleiben Erde, Sand und Schmutz draußen. Außerdem wird sie dadurch rechtzeitig vor Feinden gewarnt.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Vogelspinnen unterscheiden sich stark in ihrer Größe. Sie haben eine Körperlänge zwischen 19 mm und 12 cm. Die Spannweite kann bis zu 27,9 cm breit sein. Das entspricht der Größe eines großen Tellers! Das Gewicht liegt bei 28-170 g.
Körper und Haare
Die meisten Vogelspinnen sind behaart und haben im Vergleich zu ihren Beinen einen großen und langen Körper.
Kräftige Beißklauen
Am Kopf sitzen zwei kräftige Werkzeuge, die Beißklauen (auch Kieferklauen genannt). Sie zeigen bei Vogelspinnen nach unten. Bei großen Arten werden diese Beißklauen bis zu 2,5 cm lang. Sie sind messerscharf und tiefschwarz.
Gibt es blaue Vogelspinnen?
Vogelspinnen sind meistens dunkelbraun, braun oder grau-braun, aber es gibt auch rote, orange, gelbe und grüne Arten. Es gibt sogar welche, die in einem kräftigen, metallischen Blau leuchten! Als Tarnfarbe scheint Blau ungeeignet, daher glauben Forscher, dass die blaue Farbe bei der Partnersuche hilft. Blaue Arten sind zum Beispiel die Burma-Vogelspinne, Ornament-Vogelspinne, Venezuela-Vogelspinne, Jemen-Vogelspinne und Malaysia-Vogelspinne.
Rekorde
Die größte Vogelspinne
Die Goliath-Riesenvogelspinne ist die größte Vogelspinne und außerdem die Spinne mit dem längste Körper und dem höchsten Gewicht. Sie wird 12 cm lang, hat eine Spannweite von 27,9 cm und wiegt bis zu 170 g.
Die kleinste Vogelspinne
Unter den vielen Arten gibt es auch besonders kleine Vogelspinnen. Die Aphonopelma marxi wird beispielsweise nur 19-20 mm lang.
Die größte Spinne der Welt
Größer als die Goliath-Riesenvogelspinne ist nur die Laotische Riesenkrabbennspinne. Sie hat eine Spannweite von 30 cm. Ihr Körper wird jedoch nur etwa 4-5 cm lang.
Ernährung
Vogelspinnen sind Fleischfresser. Sie essen alles, was sie erlegen können. Zu ihrer Nahrung gehören Grillen, Schaben, Heuschrecken, Tausendfüßer und Skorpione. Sie machen aber auch Jagd auf kleine Echsen, Nager, Schlangen, Vögel und auf Fledermäuse.
Fähigkeiten und Sinne
Wie jagen Vogelspinnen?
Vogelspinnen sind Lauerjäger. Sie verstecken sich und warten, bis ein Beutetier vorbeikommt. Sie haben einen sehr feinen Tastsinn und fühlen mit ihren Beinen winzige Erschütterungen, die Beutetiere beim Laufen verursachen. Sie schnappen sich das Tier mit ihren Beißklauen und injizieren (spritzen) ein Gift. Es verflüssigt die Beute und die Spinne kann den „Nahrungsbrei“ einsaugen – denn sie kann keine feste Nahrung fressen.
Können Vogelspinnen springen?
Auch wenn Kinofilme gruselige Szenen zeigen: Die Wahrheit ist, dass Vogelspinnen keine großen Sprünge machen. Je höher sie springen, desto größer wäre die Gefahr, sich dabei zu verletzen. Wenn sie sich auf ihre Beute stürzen, können sie aber etwa 2-4 cm weit springen.
Schlechter Sehsinn
Vogelspinnen haben zwar acht Augen an ihrem dem Kopf, sehen damit aber sehr schlecht. Sie können meist nur Hell und Dunkel unterscheiden oder grobe Bewegungen wahrnehmen.
Perfekter Tastsinn
Der Tastsinn ist für die Vogelspinne der wichtigste Sinn. An ihren Beinen hat sie ganz spezielle Tasthaare, die sich „Setae“ nennen. Über diese feinen Haare nimmt sie selbst kleinste Vibrationen wahr, z. B. von Beutetieren, die über den Boden laufen. Mit ihnen können sie auch die Windrichtung bestimmen und möglicherweise auch Geräusche erfassen.
Fortbewegung
Je wärmer es ist, desto schneller können Vogelspinnen laufen. Bei 38 Grad Celsius sind sie 2,5 Mal schneller als bei 17 Grad Celsius.
Sind Vogelspinnen gefährlich?
Sind Vogelspinnen giftig?
Ja, alle Vogelspinnen besitzen Gift. Für einen gesunden Menschen ist es aber selten lebensgefährlich. Der Biss einer nord- oder südamerikanischen Vogelspinne fühlt sich ähnlich wie ein Bienenstich oder Wespenstich an. Es entsteht eine schmerzhafte Rötung oder Schwellung. Gefährlich kann es nur werden, wenn eine allergische Reaktion auftritt. Arten aus Asien oder Afrika besitzen ein etwas stärkeres Gift, das Muskelkrämpfe auslösen kann.
Können Vogelspinnen Menschen beißen?
Ja, Vogelspinnen können Menschen beißen, aber in freier Natur sind die meisten Arten nicht angriffslustig oder aggressiv. Zu einem Biss kommt es dann, wenn man eine Vogelspinne sehr stark bedrängt.
Vorsicht vor brennenden Haaren!
Viele Vogelspinnen aus Amerika haben eine ganz besondere Waffe auf ihrem Hinterleib: sogenannte Brennhaare. Bei Gefahr streift die Spinne diese feinen Haare mit den Hinterbeinen blitzschnell ab und schleudert sie dem Angreifer entgegen. Die Haare haben winzige Widerhaken. Wenn sie auf die Haut oder in die Augen geraten, brennen und jucken sie wie Brennnesseln.
Lebenserwartung
Die Lebensdauer von Vogelspinnen hängt stark vom Geschlecht ab. Weibchen sind sehr langlebig. Sie können in freier Natur 15-20 Jahre alt werden. Männchen sterben meist kurz nach der Fortpflanzung. Ihre Lebenserwartung liegt meist nur bei 3-10 Jahren.
Feinde und Bedrohungen
Natürliche Feinde
Auch Vogelspinnen haben Feinde. Sie werden von großen Wespen gejagt, aber auch von Skorpionen, Hundertfüßern, Wanderameisen, Mangusten, Honigdachse, Nasenbären und Wickelbären.
Der Mensch
Für viele Vogelspinnenarten ist der Mensch die größte Bedrohung. Durch das Abholzen der Regenwälder und den Bau von Städten verkleinert sich ihr Lebensraum stetig. Zudem werden bunte und seltene Arten für den illegalen Tierhandel gefangen und weltweit verkauft. Einige Arten stehen deshalb heute unter strengem Naturschutz.
Bedeutung für das Ökosystem
Vogelspinnen sind nützliche Schädlingsbekämpfer. In ihren Lebensräumen halten sie die Anzahl der Insekten, Schaben und Heuschrecken im Gleichgewicht. Ohne die Spinnen würden sich manche Insekten so stark vermehren, dass sie ganze Pflanzenlandschaften kahlfressen könnten. Gleichzeitig dienen Vogelspinnen als wichtige Nahrungsquelle für Vögel und kleine Raubtiere.
Fortpflanzung
Um auf sich aufmerksam zu machen, trommeln männliche Vogelspinnen mit ihren Beinen auf den Boden. Wenn die weibliche Vogelspinne zur Paarung bereit ist, trommelt sie ebenfalls. Dann legt sie ihre Eier in eine Art „Teppich“ aus gesponnener Seide und formt ihn zu einem Kokon. Je nach Art sind es 75-1.000 Eier. Die Larven schlüpfen innerhalb des Kokons und häuten sich nach einiger Zeit zu Nymphen. Diese häuten sich erneut einige Male, bis sie sich zu einem erwachsenen Tier entwickelt haben.
Vogelspinne als Haustier
Vogelspinnen können auch als Haustiere in einem Terrarium gehalten werden. Sehr beliebt ist die mexikanische Rotknie-Vogelspinne, weil sie sehr hübsch aussieht. Sie hat leuchtende, rote Ringe um ihre Knie. Daher auch der Name „Rotknie“.
Die Vogelspinne ist verwandt mit:
- Bolaspinne
- Falltürspinne
- Kescherspinne
- Kugelspinne
- Krabbenspinne
- Radnetzspinne
- Speispinne
- Springspinne
- Tapezierspinne
- Trichterspinne
- Wanderspinne
- Wolfspinne
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Echsen
- Fledermaus
- Frösche
- Grashüpfer
- Grillen
- Käfer
- Kakerlake
- Kröten
- Mehlwürmer
- Nagetiere
- Raupen
- Schlangen
- Tausendfüßer
- Vögel
- Zikade
Quellen:
- Revision, cladistic analysis, and zoogeography of Vitalius, Nhandu, and Proshapalopus; with notes on other Theraphosine Genera (Araneae, Theraphosidae) (https://www.researchgate.net)
- Biology of Spiders (https://www.researchgate.net)
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