Skorpion
Steckbrief Skorpion
| Größe | 6,5 mm bis 21 cm |
| Geschwindigkeit | Bis 19 km/h |
| Gewicht | 10-60 g |
| Lebensdauer | 4-25 Jahre |
| Nahrung | Insekten, Spinnen, Tausendfüßer, Echsen, Mäuse, Vögel |
| Feinde | Eulen, Schlangen, Erdmännchen, Skorpione, Fledermäuse |
| Lebensraum | Weltweit (außer Antarktis) |
| Ordnung | Gliederfüßer |
| Familie | Skorpione |
| Wissenschaftl. Name | Scorpiones |
| Merkmale | Spinnentier, zwei „Zangen“, langer Schwanz mit Giftstachel |
Merkmale und Besonderheiten
Skorpione sind unverwechselbar: Sie haben an ihren Vorderbeinen zwei große Scheren und einen langen Schwanz mit einem Giftstachel an der Spitze. Viele Menschen fürchten sich vor ihrem Stich, aber die allermeisten Skorpione sind für den Menschen völlig ungefährlich. Nur 40-50 Arten besitzen ein so starkes Gift, dass es für einen erwachsenen Menschen gefährlich werden kann.
Entwicklung
Schon vor rund 420 Millionen Jahren lebten die Vorfahren der heutigen Skorpione auf der Erde. Damals lebten sie noch im Wasser. Diese urzeitlichen Meeres-Skorpione waren gigantisch und wurden bis zu einen Meter lang. Im Laufe der Jahrtausende entwickelten sie sich zu Landtieren.
Tierart
Skorpione sind keine Insekten, sondern gehören zur Klasse der Spinnentiere. Es gibt weltweit 1.750 -2.000 Skorpionarten.
Verbreitung und Lebensraum
Skorpione sind auf fast der ganzen Welt zu finden. Sie leben in warmen Wüsten, trockenen Steppen, Savannen, feuchten Regenwäldern und sogar in kalten Hochgebirgen. Nur in der eiskalten Antarktis kommen sie nicht vor. Sie sind standorttreu und bleiben ihr Leben lang im selben Gebiet.
Lebensweise
Skorpione sind überwiegend nachtaktiv. Den Tag verbringen sie gut geschützt: Sie ruhen in Erdlöchern, verkriechen sich unter Steinen, Baumrinde oder in Felsspalten. In menschlichen Siedlungen suchen sie manchmal Schutz in dunklen Ecken, Schuhen oder Kellern. Sobald die Sonne untergeht, verlassen sie ihren Unterschlupf und gehen auf die Jagd. Skorpione sind meistens Einzelgänger. Sie dulden keine Artgenossen in ihrer Nähe und verteidigen ihr Revier. Nur zur Paarungszeit suchen sie kurzzeitig Kontakt zueinander.
Körperbau und Aussehen
Größe und Gewicht
Skorpione unterscheiden sich stark in ihrer Größe.
- Der größte Skorpion: Der Riesenskorpion (Gigantometrus swammerdami) erreicht eine Länge von bis zu 29,2 cm.
- Der schwerste Skorpion: Der Kaiserskorpion (Pandinus imperator) wird bis zu 13-18 cm lang und bringt bis zu 60 g auf die Waage.
- Der kleinste Skorpion: Eine Art namens Microbuthus pusillus wird gerade einmal 13 mm lang.
Panzer
Der Körper des Skorpions ist von einem harten, widerstandsfähigen Panzer aus Chitin umgeben (Chitin ist wie ein sehr harter, aber dennoch flexibler Zucker). Diese feste Haut schützt vor Verletzungen und verhindert, dass sein Körper in der trockenen Wüstenhitze austrocknet.
Scheren
Am vorderen Teil des Körpers sitzen zwei große, gut sichtbare Scheren oder Zangen. Der Skorpion nutzt sie wie Hände, um seine Beute blitzschnell zu ergreifen und festzuhalten, während er sie mit den Mundwerkzeugen zerkleinert.
Stachel
Am Ende des Körpers befindet sich der auffällige, gelenkige Schwanz, den der Skorpion bei Gefahr oder auf der Jagd weit nach oben biegen kann. An seiner Spitze sitzt der spitze Giftstachel, mit dem er seine Beute lähmt.
Ernährung
Skorpione sind reine Fleischfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Insekten, Spinnen und Tausendfüßer. Sehr große Arten erlegen sogar kleine Echsen, Mäuse, Frösche oder junge Vögel.
Verhalten
Wie jagen Skorpione?
Die meisten Skorpione sind Lauerjäger. Sie warten mit offenen Zangen und aufgestelltem Schwanz darauf, dass ihre Beute vorbeischlendert. Sie spüren die Schritte der Beute über feine Haare an ihren Beinen. Nähert sich ein Tier, packen sie es blitzschnell mit ihren Zangen und töten es bei Bedarf mit ihrem Giftstachel. Nur wenige Arten sind aktiv: Sie pirschen sich an oder heben sogar Fallgruben aus!
Flüssige Nahrung
Skorpione können keine Nahrung zerteilen oder kauen. Sie spritzen daher spezielle Verdauungssäfte in das Beutetier. Diese Säfte zersetzen es innerhalb kurzer Zeit zu einem weichen Brei. Diesen saugt der Skorpion dann vollständig auf.
Das Gift
Wozu brauchen Skorpione Gift?
Skorpione nutzen ihr Gift, um Beute zu erlegen. Sie stimmen es auf den jeweiligen Lieblings-„Snack“ ab. Manche Gifte wirken besonders gut bei Insekten, andere bei Krustentieren und wieder andere bei wirbellosen Tieren. Für Menschen ist es meistens zu schwach.
Die giftigsten Skorpione
Die meisten der über 2.000 Skorpionarten sind für Menschen ungefährlich. Es gibt jedoch einige sehr giftige Arten:
- Gelber Mittelmeerskorpion (Leiurus quinquestriatus): Der giftigste Skorpion der Welt! Er lebt in trockenen Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens. Sein Gift ist eine extrem starke Mischung aus verschiedenen Nervengiften. Ein Stich verursacht heftige Schmerzen und kann vor allem für Kinder, ältere Menschen oder bei gesundheitlichen Problemen lebensgefährlich werden.
- Nordafrikanische Dickschwanzskorpion (Androctonus australis)
- Indische rote Skorpion (Hottentotta tamulus)
- Brasilianische gelbe Skorpion (Tityus serrulatus)
Keine Chance bei Erdmännchen
Bei Erdmännchen und Stachelschweinen sind immun (= unempfindlich) oder sogar resistent (= widerstandsfähig) gegen das Gift von Skorpionen.
Wie gefährlich sind Skorpione?
Europäische Skorpione sind für gewöhnlich nicht besonders giftig. Solltest du das seltene Glück haben, tatsächlich mal einen zu sehen, dann komm ihm aber besser nicht zu nahe. Sein Stich ist nicht lebensgefährlich, tut aber ebenso weh wie ein Bienen- oder Wespenstich. Skorpione, die für den Menschen gefährlich werden können, leben hauptsächlich in Nordafrika, dem Nahen Osten und in Mittel- bzw. Südamerika.
Fähigkeiten und Sinne
Wie lange kommen Skorpione ohne Nahrung aus?
Wenn das Futter knapp ist, verlangsamen Skorpione ihren Stoffwechsel um ein Drittel. Ein einziges Insekt reicht daher aus, um ein ganzes Jahr lang zu überleben. Wasser brauchen sie allerdings schon. Achtung: Langsamer Stoffwechsel bedeutet aber nicht langsamer Skorpion! Selbst in diesem Zustand kann er schnell aufspringen und zustechen.
Schlechte Augen, feiner Tastsinn
Skorpione besitzen auf dem Kopf zwei mittlere Augen und auf jeder Seite noch einmal zwei bis fünf kleinere Seitenaugen. Gut sehen können sie damit jedoch nicht. Die Augen erkennen nur grobe Unterschiede zwischen Hell und Dunkel sowie Bewegungen. Dafür ist ihr Tastsinn umso besser. Sie spüren selbst winzige Erschütterungen im Boden sofort.
Skorpione leuchten im Dunkeln
Angst vor Skorpionen? Ein faszinierendes Phänomen ist das Leuchten von Skorpionen. Wenn man sie mit einer Lampe mit ultraviolettem Licht anstrahlt, beginnen ihre Körper in einem hellen, neonartigen Grüngelb zu leuchten. Sie haben einen so genannten „fluoreszierenden“ Stoff in sich, der im Dunkeln schimmert. So kann man sie schnell ausfindig machen.
Skorpione sind Überlebenskünstler
Skorpione gehören zu den zähesten Überkünstlern der Tierwelt. Ihr harter Panzer und ihr langsamer Stoffwechsel helfen ihnen dabei, auch sehr herausfordernde Bedingungen zu überstehen.
- Unter Wasser: Manche Wüstenskorpione können stunden- oder sogar tagelang unter Wasser überleben. Sie schalten ihren Körper in eine Art Notfall-Modus und verbrauchen kaum Sauerstoff. Wenn sie wieder an die Luft gelangen, krabbeln sie einfach weiter, als wäre nichts passiert.
- Extreme Kälte: Einige Arten vertragen Minustemperaturen im Hochgebirge. Sie fallen in eine Kältestarre und wachen erst wieder auf, wenn die Sonne sie wärmt.
- Radioaktivität: In Versuchen hat sich gezeigt, dass Skorpione extrem unempfindlich gegenüber Strahlung sind. Sie überstehen Dosen, die für Menschen und viele andere Tiere tödlich wären. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie gegen jede Strahlung immun sind. Es zeigt nur, wie robust ihre Zellen aufgebaut sind.
Lebenserwartung
Skorpione haben für kleine Tiere eine erstaunlich hohe Lebenserwartung. Je nach Art und Region werden sie in freier Wildbahn meist 4-25 Jahre alt. Einige Arten können in geschützter Umgebung sogar noch älter werden.
Natürliche Feinde
Obwohl Skorpione giftig sind, stehen sie auf dem Speiseplan vieler anderer Tiere. Zu ihren Feinden gehören:
- Vögel wie Eulen
- Säugetiere wie Erdmännchen, Mäuse und Fledermäuse
- Reptilien wie Schlangen und große Echsen
- Andere Skorpione (Skorpione essen bei Nahrungsmangel auch Artgenossen)
Bedrohung durch den Menschen
Für die meisten Skorpione ist der Mensch keine direkte Bedrohung, da sie in Wüsten und abgelegenen Regionen leben. Manche Arten leiden jedoch darunter, dass ihr Lebensraum durch den Bau von Städten, Straßen oder Feldern zerstört wird. Zudem werden einige große Arten wie der Kaiserskorpion für den Tierhandel gefangen, um sie als Heimtiere in Terrarien zu halten.
Bedeutung für das Ökosystem
Skorpione nehmen eine wichtige Rolle in der Natur ein. Als eifrige Jäger halten sie die Anzahl von Insekten und Schädlingen im Gleichgewicht. Ohne Skorpione würden sich manche Insektenarten zu stark vermehren. Gleichzeitig dienen sie selbst vielen Wüsten- und Steppentieren als wichtige Nahrungsquelle.
Fortpflanzung
Skorpione tragen ihren Nachwuchs auf dem Rücken
Sobald die Babys geschlüpft sind, krabbeln sie auf den Rücken ihrer Mutter, wo sie gut geschützt sind und in Ruhe heranwachsen können. Sie sehen genauso aus wie erwachsene Skorpione, nur eben sehr klein und sehr hell. Und sie können noch nicht zustechen. Nach der ersten Häutung können sie bereits eigenständig auf die Jagd gehen. Wenn die Mutter jedoch keine Nahrung findet, kann es in seltenen Fällen passieren, dass sie vor Hunger ihre eigenen Kids verspeist.
Fun Facts
Gymnastik in der Hitze
Wenn der Wüstenboden in der Sonne zu heiß wird, stellen sich manche Skorpione auf die Hinterbeine und recken den Körper in die Luft. So verringern sie den direkten Kontakt zum heißen Sand und kühlen ab.
Tote Skorpione
In Afrika sagt man, dass ein toter Skorpion weitere anlockt. Das ist jedoch Quatsch. Die einzelgängerischen Tiere jagen lebendige (!) Beute und sind nur zur Paarung zusammen mit ihren Artgenossen zu sehen.
Der am tiefsten lebende Skorpion
Der Skorpion, der am tiefsten lebt, ist die Art Alacran tartarus. Er lebt in Höhlen in Mexiko, die bis zu 800 m tief unter der Erde liegen.
Stechen sich Skorpione selbst?
Es heißt, dass ein Skorpion sich selbst mit seinem Stachel tötet, wenn er von Feuer eingeschlossen ist. Doch das ist Unsinn, denn er ist gegen sein eigenes Gift natürlich immun.
Der Skorpion ist verwandt mit:
- Milben
- Spinnen
- Weberknechte
Weitere Tiere im Lebensraum:
- Ameisenbär
- Blattschneiderameise
- Erdmännchen
- Faultier
- Fennek
- Gecko
- Gottesanbeterin
- Kamel
- Klapperschlange
- Kolibri
- Nasenbär
- Tukan
- Papagei
- Wüstenspringmaus
Quellen:
- Largest arachnid (https://www.guinnessworldrecords.com)
- Smallest scorpion (https://www.guinnessworldrecords.com)
- Heaviest scorpion (https://www.guinnessworldrecords.com)
- Deepest scorpion (https://www.guinnessworldrecords.com)
- Most venomous scorpion (https://www.guinnessworldrecords.com)
- The Biology of Scorpions (https://www.cabidigitallibrary.org)
- Catalog of the Scorpions of the World (1758-1998) (https://mds.marshall.edu)
- Phylogeny and Classification of the Superfamily Scorpionoidea Latreille 1802 (Chelicerata, Scorpiones): An Exemplar Approach (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov)
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