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Alles über Schlangengift: Entstehung, Wirkung, Giftarten - und wie man sich schützt

Alles über Schlangengift - Foto: kuritafsheen/stock.adobe.com

In diesem Artikel erfährst du alles über das Gift von Schlangen. Schlangengift ist ein hochkomplexes Gemisch aus Proteinen (Eiweißen) und Polypeptiden (Aminosäuren), die spezielle biochemische und toxische Eigenschaften besitzen. Doch wo entsteht dieses Gift überhaupt, wozu dient es den Tieren und wie gefährlich ist es wirklich?

Wo entsteht Schlangengift und wozu dient es?

Das Gift entsteht in den umgewandelten Speicheldrüsen (Ohrspeicheldrüsen) der Schlange. Die Tiere nutzen ihr Gift primär für drei wichtige Aufgaben:

  • Jagd & Beutefang: Das Gift lähmt oder tötet das Beutetier schnell, sodass es nicht mehr fliehen oder die Schlange verletzen kann.
  • Verdauung: Die im Gift enthaltenen Enzyme beginnen bereits im Körper der Beute damit, Gewebe und Organe zu zersetzen.
  • Verteidigung: Fühlt sich eine Giftschlange in die Enge getrieben, nutzt sie ihr Gift zur Abwehr von Fressfeinden.

Wie gefährlich sind Giftschlangen?

Das kommt auf die Betrachtungsweise an. Geht es um diejenigen Schlangen, die die meisten Todesfälle verursachen oder das meiste Gift besitzen? Oder geht es um das wirksamste Gift? Manche Schlangengifte sind sehr vielfältige Gift-„Cocktails“, wie z. B. bei der Klapperschlange.

Wichtige Faktoren für die Gefährlichkeit einer Schlange:

  • Die abgegebene Giftmenge: Manche Schlangen geben bei einem Biss nur sehr wenig Gift ab, andere extrem viel.
  • Die Toxizität (Giftstärke): Wie stark wirkt das Gift bereits in kleinsten Mengen (z. B. gemessen am LD50-Wert)?
  • Länge der Giftzähne: Lange Giftzähne dringen tiefer ins Gewebe oder direkt in Blutgefäße ein.
  • Das Verhalten der Schlange: Scheue Arten flüchten eher, während aggressive oder nervöse Arten schneller zubeißen.
  • Körpergröße des Tieres: Größere Schlangen besitzen meist größere Giftreservoirs.

Der Verlauf eines Bisses beim Menschen hängt von mehreren Dingen ab:

  • Ort der Bisswunde: Ein Biss in die Nähe von Herz, Hals oder Hauptschlagadern ist deutlich gefährlicher als ein Biss in den Fuß.
  • Verhalten des Betroffenen: Wer ruhig bleibt und sich nicht bewegt, verlangsamt die Ausbreitung des Gifts im Blutkreislauf.
  • Eindeutige Bestimmung: Kann die Schlange exakt identifiziert werden, lässt sich gezielt das passende Gegengift (Antiserum) verabreichen.
  • Gesundheitszustand: Alter, Körpergewicht und Vorerkrankungen beeinflussen die Wirkung des Gifts stark.

Gefährlich = tödlich?

Die gefährlichsten Schlangen und die tödlichsten Schlangen sind also zwei verschiedene Paar Schuhe. Schlangen mit extrem tödlichem Gift beißen nicht gleichzeitig bei jeder Gelegenheit wild um sich. Und andersherum gibt es Schlangen, deren Gift zwar nicht besonders stark, aber deren Verhalten sehr unvorhersehbar und aggressiv ist.

Die verschiedenen Giftarten und ihre Wirkung

Je nach Schlangenart setzt sich das Gift aus unterschiedlichen Bausteinen zusammen. Häufig handelt es sich um eine Kombination aus folgenden Giftarten:

GiftartMedizinischer BegriffWirkung im Körper
Zellgift Zytotoxisch Zerstört Zellen und Hautgewebe im Bereich des Bisses
Nervengift Neurotoxisch Blockiert die Signalübertragung der Nerven; führt zu Lähmungen und Atemstillstand
Blutgift Hämotoxisch Stört die Blutgerinnung; führt zu inneren Blutungen oder Blutgerinnseln
Muskelgift Myotoxisch Zersetzt Muskelgewebe und schädigt dadurch auch die Nieren
Herzgift Kardiotoxisch Wirkt auf das Herzmuskelgewebe und kann zu Herzstillstand führen
Gefäßgift Hämorrhagisch Schädigt die Wände der Blutgefäße, sodass Blut ins Gewebe austritt

Schlangen-Lexikon: Fachbegriffe einfach erklärt

Manchen Begriffen begegnet man immer wieder, wenn es um Schlangen und ihr Gift geht. Hier erfährst du auf einen Blick, was die schweren Wörter bedeuten:

  • Proteine (Eiweiße): Proteine sind winzig kleine Bausteine, aus denen alle Lebewesen bestehen. Auch in unserer Nahrung (z. B. in Nüssen oder Linsen) stecken Proteine. Der Körper nutzt sie wie kleine Werkzeuge.
  • Polypeptide: Stell dir Proteine wie lange Perlenketten vor. Polypeptide sind einfach etwas kürzere Perlenketten aus diesen Eiweiß-Bausteinen. Sie sind so klein, dass sie blitzschnell im Körper eines Beutetiers wirken können.
  • Toxizität: Das ist das Fachwort für die Giftigkeit oder Stärke eines Gifts. Je höher die Toxizität ist, desto weniger Gift reicht schon aus, um eine Wirkung zu zeigen.
  • Enzyme: Enzyme sind wie kleine unsichtbare Scheren im Körper. Sie schneiden andere Stoffe auseinander. Im Schlangengift sorgen sie dafür, dass die Verdauung schon beginnt, bevor die Schlange ihre Beute überhaupt runtergeschluckt hat.
  • Ohrspeicheldrüse: Eine Drüse ist ein Organ im Körper, das eine bestimmte Flüssigkeit herstellt (beim Menschen zum Beispiel Spucke oder Schweiß). Die Ohrspeicheldrüse liegt im Kopf in der Nähe der Ohren. Bei Giftschlangen produziert sie statt normalem Speichel echtes Schlangengift.
  • Gegengift (Antiserum): Ein spezielles Medikament, das Ärzte Menschen geben, wenn sie von einer Giftschlange gebissen wurden. Es klinkt sich wie ein passendes Puzzleteil an die Giftstoffe im Blut an und macht sie unschädlich.

Verhaltenstipps: So vermeidest du Schlangenbisse

In Deutschland gibt es nur sehr wenige heimische Giftschlangen (wie etwa die Kreuzotter), die zudem sehr scheu sind. Die Gefahr eines Bisses ist hierzulande extrem gering. Auch im Urlaub auf normalen Wegen und in touristischen Gebieten besteht kaum ein Risiko. Wer auf Abenteuerreise geht, in ländlichen Regionen übernachtet oder auf eigenen Pfaden unterwegs ist, sollte folgende Regeln beachten:

  • Feste Kleidung: Trage hohes, festes Schuhwerk und lange, dicke Hosen.
  • Vorsicht beim Greifen: Fasse beim Klettern nicht unschlüssig in Felsspalten und greife nicht in dichtes Gebüsch.
  • Fester Tritt: Auftreten erzeugt Erschütterungen im Boden. Schlangen nehmen diese Erschütterungen wahr und flüchten meist rechtzeitig.
  • Abstand halten: Bei einer Schlangenbegegnung ruhig bleiben, nicht reizen und langsam zurückweichen.
  • Niemals anfassen: Versuche niemals, eine wilde Schlange anzufassen, zu fangen oder zu bedrängen.

Fun Fact: Können sich Giftschlangen selbst vergiften?

Ja, das kann tatsächlich passieren! Giftschlangen sind gegen ihr eigenes Gift nicht vollkommen immun. Zwar enthält ihr Blut spezielle Antikörper, die kleine Giftmengen unschädlich machen. Wenn sich eine Schlange jedoch versehentlich selbst beißt und eine hohe Dosis Gift direkt in ihre Blutbahn gelangt, kann sie an den Folgen sterben. Schlucken ist dagegen ungefährlich: Wenn eine Schlange ihr Gift beim Verzehr von Beutetieren verschluckt, spaltet die Magensäure die Gift-Eiweiße ganz einfach wie normale Nahrung auf!


Quellen:


Noch mehr giftige, lange und ungewöhnliche Schlangen!

  • Aktualisiert am

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