Biologisches Wunder: Abgetrenntes Seegurken-Gewebe lebt Jahre weiter!
- Forscher haben entdeckt, dass abgetrennte Körperteile der arktischen Seegurke Psolus fabricii ganz ohne den Hauptkörper jahrelang weiterleben und heilen.
- Diese nehmen Nährstoffe direkt aus dem Meerwasser auf und wehren schädliche Bakterien völlig eigenständig ab.
- Der Fund stellt bisherige Annahmen zum Altern von Zellen auf den Kopf und eröffnet neue Wege für die Heilung von Wunden beim Menschen.
Das Geheimnis der unsterblichen Gewebestücke
In der Natur bedeutet der Verlust eines Körperteils für das abgetrennte Stück meist das sichere Ende. Nicht so bei der arktischen Seegurke Psolus fabricii, die zu den Stachelhäutern gehört. Wissenschaftler trennten Teile von Haut-, Nerven- und Muskelgewebe ab. Statt zu verrotten, passierte etwas Verblüffendes: Die Stücke heilten von selbst, passten sich an und überlebten im ganz normalen Meerwasser mehr als drei Jahre lang. Sie wuchsen sogar weiter, ohne dass man sie künstlich füttern musste.
Immunabwehr und Ernährung ohne Magen
Doch wie bleibt ein Gewebe ohne Herz, Magen oder Gehirn am Leben? Die Rätsels Lösung liegt in den Abwehrzellen der Tiere, den sogenannten Coelomocyten. Diese Immunzellen wandern sofort an die Schnittstelle, schützen die offene Wunde vor Infektionen und räumen beschädigtes Gewebe auf. Auch beim Futter nutzen die Gewebestücke zwei verblüffende Quellen: Sie nehmen Bausteine aus dem Wasser auf (Aminosäuren) und bauen Muskelgewebe, das sie ohne den Rest des Körpers ohnehin nicht mehr brauchen, als innere Energiereserve ab. Zudem teilen sich alte Zellen und sterben beschädigte Zellen gezielt ab, um Platz für neue zu machen. So halten sich die Stückchen ganz alleine frisch.
Ein Durchbruch für die Medizin von morgen
Bisher war es extrem schwer, lebendes Gewebe im Labor über lange Zeit zu erhalten. Man brauchte dafür völlig keimfreie Räume und teure Nährlösungen. Dass das Gewebe eines ausgewachsenen Tiers einfach im Meerwasser weiterlebt, ohne zu altern, ist für die Medizin ein riesiger Schritt. Die Gewebeteile dienen der Forschung nun als perfektes Modell.
Über die Studie
Die Studie der Memorial University of Newfoundland (USA) erschienen im Mai 2026 in der Fachzeitschrift Science Advances.
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