Schlauer als gedacht: Kraken nutzen Spiegel, um versteckte Snacks zu jagen!
- Die meisten Tiere sehen in einem Spiegel nicht sich selbst, sondern einen Angreifer.
- Forscher fanden jetzt heraus, dass wirbellose Tiere wie Kraken verstehen, wie Spiegel funktionieren.
- Sie drehten sich gezielt um, um Beute außerhalb ihres Sichtfelds zu schnappen.
Der Rückspiegel-Trick im Aquarium
Ein Team von Wissenschaftlern hat untersucht, ob der Kalifornische Zweipunktkrake (Octopus bimaculoides) lernen kann, Spiegelbilder richtig zu deuten. Die Kraken wurden in eine Box gesetzt, mit Blick auf einen Spiegel. Darin sahen sie eine Krabbe – diese wurde jedoch digital an eine Wand geworfen und lag völlig außerhalb ihres Sichtfelds. Das Ergebnis war verblüffend: Die Kraken schwammen nicht etwa zum Spiegel. Sie begriffen, dass es eine optische Täuschung war, machten eine präzise Drehung um 180 Grad, um direkt zur (digitalen) Krabbe zu gelangen. Dort wartete eine Belohnung in Form von Futter.
Ein biologischer Meilenstein der Evolution
Diese Fähigkeit ist im Tierreich extrem selten und war bisher nur von hochintelligenten Wirbeltieren wie einigen Säugetieren wie Delfinen oder Affen und Vögeln wie Elstern bekannt. Dass ein Weichtier dazu in der Lage ist, ist eine wissenschaftliche Sensation. Da sich die Gehirne von Wirbeltieren und Kraken seit über 520 Millionen Jahren völlig unabhängig voneinander entwickelt haben, sprechen die Forscher von konvergenter Evolution. Das bedeutet, dass die Natur für dasselbe Problem – die Orientierung in einer anspruchsvollen Umwelt – bei völlig unterschiedlichen Arten exakt dieselbe schlaue Lösung hervorgebracht hat.
Geistige Landkarten unter Wasser
Warum nutzten die Forscher eine digitale Krabbe? Kraken haben hochempfindliche Tast- und Geschmackssinne. Um sicherzustellen, dass sie die Krabbe nur mit Hilfe ihres Sehsinns wahrnahmen nutzten die Forscher rein digitale Bilder. Bei den Tests hatten die intelligenten Kopffüßler eine Erfolgsquote von rund 73 Prozent. Mit der Zeit wurden sie sogar immer schneller darin, den Weg zum Futter zu finden. Für die Wissenschaft ist das ein Hinweis dafür, dass Kraken eine dreidimensionale geistige Landkarte ihrer Umgebung besitzen und spiegelverkehrte Informationen blitzschnell umrechnen können.
Über die Studie
Die Studie des Dartmouth College (USA) wurde im Juni 2026 in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht.
„Wir Menschen denken oft, wir wären die Krone der Schöpfung, aber ein Krake schaut in einen Spiegel und nutzt ihn wie wir den Rückspiegel beim Autofahren. Das zeigt mir: Intelligenz hat viele Gesichter – und manche davon haben acht Arme!“
Silke von tierchenwelt.de
Quellen:
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